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Wenn sich Leute in einem kleineren Ort auf der Strasse begegnen, dann grüssen sie einander. Sogar wenn sie sich noch nie gesehen haben. In der Stadt schaut man auf den Boden oder durch die andere Person hindurch.

Als Journalist einer lokalen Zeitung, dessen Bild oft in der Kommentarspalte erscheint und dessen Kopf zwischendurch über den Bildschirm huscht, wenn das lokale Fernsehen an einer Medienkonferenz filmt, aber auch sonst als aktiver Mensch in meiner Gemeinde geniesse ich zum Glück eine gewisse Aufmerksamkeit. Viele Leute schauen mich wenigstens an und lassen so ein Zeichen des "Erkanntseins" bei mir zurück – auch wenn sich diese oft nicht genau erinnern können, wen sie da eigentlich gesehen haben. Das macht aber nichts. Ich fühle mich "gesehen", ich fühle mich "wahrgenommen". Und das gibt mir viel. Auch in Zeiten, wo kein bekanntes Gesicht in der Nähe ist, fühle ich mich nicht allein. (Gut, als schamanisch Tätige Person fühle ich mich sowieso nie alleine, weil ich immer umgeben bin von sehr vielen "Begleitern" – aber das ist eine andere Geschichte.)

Und hier knüpfe ich eine kleine Technik an, die ungemein zum Wohlbefinden der Menschen in städtischen Umgebungen beitragen kann – und langfristig, wenn es genug Menschen tun würden, zu einer Gesundung des Stadtklimas führen könnte. Sie heisst ganz einfach: "Mitmenschen wahrnehmen".
Ich tue dies jeden Tag, wenn ich auf der Strasse bin. Und ich tue es sehr bewusst. Ich schaue Menschen an, suche Augenkontakt. Ich gebe ihnen damit zu verstehen: "Ich habe dich gesehen, ich weiss, dass es dich gibt. Ich nehme dich wahr." Manchmal sage ich es auch still vor mich hin, wenn ich die Person ansehe.
Wenn ich den Kontakt lange genug halten kann, schenke ich der Person auch ein Lächeln oder wünsche ihr einen guten Tag. Das ist nicht immer möglich, weil sich die Leute in der Stadt diese Form des „Kontakts“ nicht mehr gewohnt sind und meist rasch den Blick senken.



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