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Viel einfacher als das stark eingeprägte Konzept der "Zeit" zu verlassen ist es, dieses ein wenig zu dehnen oder zusammenzupressen. Wir brauchen damit nur unser eigenes "Zeitempfinden" näher zu betrachten. Du hattest sicher schon das Gefühl (oder hast es sogar immer wieder), dass die Ferien immer schon zu Ende sind, bevor sie richtig angefangen haben. Dafür scheinen gewisse Arbeitstage schier unendlich lang zu sein. Dies ist eine Frage der Betrachrungsweise.

In den Ferien konzentrieren wir uns mit Freude auf das was wir tun und tragen dabei oft nicht einmal eine Uhr. Die "Zeit" ist uns egal. Deshalb haben wir nachträglich das Gefühl, sie sei schneller verronnen. Bei langweiligen Arbeitstagen ist es umgekehrt. Wir schauen praktisch jede Minute auf die Uhr und wundern uns dann, dass der Zeiger nur gerade ein Strichlein weitergewandert ist.

Dieses System lässt sich aber auch prima umkehren.

An einer Medienkonferenz habe ich kürzlich ein Druckexemplar eines Referates erhalten. Ein kurzer Blick über die 11 (elf!) Seiten haben mir gezeigt, dass sie aber auch gar nichts neues enthalten. Der Referent gab lediglich eine ausführliche Standortbestimmung zum besten. Der Referent war noch schlimmer als sein Skript. Er machte nach praktisch jedem Abschnitt einen "kleinen Exkurs". Also begann ich (nach einer kräftigen Energieaufladung) an meiner "inneren Uhr" zu drehen. Ich gab dem Sekundenzeiger einen kräftigen Stoss und sandte ihm eine ganze Menge Energie nach. Während der Redner sprach, konzentrierte ich mich weiter darauf, dass die Uhr schneller lief als sie dies normalerweise tun würde. Und tatsächlich: der Referent schien plötzlich schneller zu sprechen und sich mehr auf seinen Text zu konzentrieren. Im Nu hatte er seine Seiten durch.

Auf die gleiche Weise lässt sich die Zeit auch verlangsamen. Kürzlich war ich für einen Termin ziemlich spät dran. Ich wusste, dass ich es nicht mehr schaffen würde. Also begann ich wieder an der "inneren Uhr" zu drehen. Nur hängte ich diesmal Gewichte an den Sekundezeiger, damit er nicht so schnell läuft. Damit war es mir möglich, ohne mein Tempo wirklich zu beschleunigen, in der gleichen "Zeit" eine wesentlich grössere Distanz zurückzulegen. Ich kam rechtzeitig an meinem Zielort an und war dabei nicht einmal ausser Atem.

Diese Technik braucht einige Übung und man muss ziemlich viel Energie einbringen, aber sie funktioniert.



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