| Der Putzstein Nicht immer ist klar, was genau der Sinn hinter den seltsamen Reisen ist, die man in der schamanischen Welt unternimmt. Doch das ist meist nicht so wichtig. Im Vordergrund steht, dass man die Aufgabe wahrnimmt, die sich einem stellt. Denn man weiss nie, ob einem gerade ein Hilferuf erreicht hat, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Es ist mir schon passiert, dass ich auf der Strasse in Gedanken versunken eine Vogelfeder vom boden aufgehoben habe, die nicht wirklich in meine Sammlung passte. Ich habe dann einfach entschieden, diese eine Weile mit mir herumzutragen. Einige Zeit später sah ich plötzlich hell vor mir einen Ort, wo ich diese Feder wieder ablegen sollte. Ich wusste einfach, dass dies zu tun war, also habe ich es getan. Was ich genau damit bewirkt habe, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich es tun musste. Doch viele solcher kleinen Dinge haben schon Veränderungen in Menschen, Tieren, Pflanzen und Orten bewirkt, dass ich die Bedeutung gar nicht hinterfragen muss. So bin ich auf einer Wanderung an einem Ort einem fast faustgrossen, abgeschliffenen Quarzstein begegnet. Es hatte dort eigentlich nur Schiefer und Kalk - und schon gar nichts rundes. Ich dachte, jemand müsste ihn dort abgelegt haben. Ich hob ihn auf, setzte mich auf die nahe Sitzbank. Nach kurzer Zeit schloss ich die Augen und schon war ich in rasanter Fahrt unterwegs in einem rot-scheinenden Kanal, der sich wie ein Blutgefäss ausmachte. Ich wusste plötzlich, dass ich unterwegs zum Herzen war. Auf einmal wurde der Kanal enger. Bleiche Ablagerungen stauten den Fluss. Ich hatte immer noch den Stein in der Hand. Also begann ich die Ablagerungen abzuscheuern. Ich schrubbte und scheuerte bis ich das Gefühl hatte, es sei nun gut. Da kehrte ich auch schon durch den Kanal in die alltägliche Wirklichkeit zurück. Ich dankte dem Stein und legte ihn wieder dorthin, wo ich ihn gefunden hatte. Vielleicht sollte er noch jemand anderem dienlich sein. Meine weitere Wanderung verlief beschwingt, auch wenn ich nicht sagen kann, ob ich an meinen eigenen Gefässen gearbeitet hatte. Doch das ist das Schöne an diesen Aufgaben ist, dass man auch dann, wenn man für jemand anderen tätig war, für sich selbst auch Heilung bewirkt hat. Denn in der schamanischen Welt geht man davon aus, dass alles, was man jemandem antut, man auch sich selbst antut. Tut man etwas gutes, dann ist es auch gut... :-) |
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